E L E F A N T E N T R E F F E N   2 0 1 4
Nach all dem jahrelangen Gelästere über Autofahrer, Schönwetterbiker, Ofenzelter und andere Unholde, folgen jetzt endlich Taten. Denn nach dem Motto "weniger ist mehr", geht es 2014 mit "nem Mofa auf's Elefantentreffen !
Wie so oft, war auch DAS wieder mal ein Hirnfurz von Äxl;
Die Idee schlägt in Begeisterung über, und so kommt Eins zum Anderen, und plötzlich wird die Sache ernst, kein Kneifen mehr möglich, das Mofa steht da !
Eine wunderhübsche Zündapp ZD25 TS, vor ca. 15 Jahren von mir im Auftrag meines alten Motorradclubs "MF-Giengen" als "Cross - Mofa" für's Mofarennen umgebaut.
Nach einer vom Erfolg gekrönten Blütezeit wurde sie vor acht Jahren in einem Garten abgestellt, Wind und Wetter, und schliesslich ihrem Schicksal überlassen...

Und jetzt steht das Maschinchen also bei mir im Hof; Doch die scheinbar unbestechliche Schönheit dieser kleinen Zündapp trügt - denn wie man weiss sind Fotografien geduldig; Die Realität sieht leider alles andere als rosig aus; So manch" Rostkrüstchen ziert das einst so stolze Ross und selbst das leichtmetallene Aluminiumherz schlägt nicht mehr.

Da hilft nur eine Generalrevision in schweizer Gründlichkeit (Dazu wird sich CH#1 gerne bei acht, neun Bierchen am Beispiel seines Dnepr - Gespannes detailierter auslassen...).
Also das Pony erstmal zerlegen und schaun, wo's überall klemmt.


Die erste freudige Überraschung: so gut wie alle Schrauben lassen sich ohne grössere Mühen lösen, und in weniger als einer Woche sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.
Spässle g"macht; Natürlich hat die Schlachtorgie nur eine knappe Stunde gedauert, und schon präsentiert sich das betagte Gefährt in seiner niederträchtigsten Einzelteiligkeit...

...und das Ausmass des fortgeschrittenen Zerfalls wird erst jetzt so richtig deutlich.
Die Kurbelwelle dümpelt in einer wässrigen Rostbrühe, der Vergaser leidet unter akuter Verstopfung, die Bremsen verrichten in einer verbissenen Endgültigkeit ihren letzten Dienst und die Federgabel ist keine solchige mehr.
Im Tank schwappt eine stinkende, rotbraune Kraftstoffsuppe, im Inneren des Auspufftopfs offenbart sich eine klebrig/ölige Teerfüllung von abgrundtiefer Schwärze.
Der Motorblock und der untere Rahmen laden zum "Torfstechen" ein, diverse Mooskulturen haben weiter oben am Rahmen ein Zuhause gefunden.


Ausgebreitet auf Mutter Erde, im Scheine der untergehenden Midsommersonne, liegt sie nun da, und wartet auf die Reinkarnation !

Wird es eine Wiederauferstehung geben ??

Es wird !

Zuerst kommt das "MO" auf den OP - Tisch. (Das "FA" muss sich vorerst noch etwas gedulden...)
Erstmal vom gröbsten Dreck befreit, die festgerosteten "Trabber" von den verdengelten Wellen gezogen, den Zylinder runter und ½ Liter Rostbrühe ausgeleert.
Die Lager und die Nadeln getrocknet, gefettet und wieder rein, Ausslass gereinigt und wieder alles in richtiger Reihenfolge zusammengesetzt; So sollte nach Zufuhr des güldnen 2-Taktelixiers das kleine 50-Kubik-Herzlein wieder zu schlagen beginnen.
Der Krafttrunk will natürlich zubereitet sein: Ein Cocktail aus Sauerstoff und Benzin, fein vernebelt durch den aluminiumdruckgüssernen Bing - Vergaser, welcher als nächstes aus seiner rostiglichen Starre erweckt werden soll.


Anfang Januar 2014

Auseinandergebaut war das Rösslein schnell, das war im vergangenen Sommer, säuberlich in Obstkisten gepackt, in Vergessenheit geraten ....

Dann, 3 Wochen vor dem Elefantentreffen, ratzfatz das Mofa zusammenbauen, dem fehlte ja so nicht viel - doch weit gefehlt! Schnell tritt das Ausmass der zu bewältigenden Arbeiten wieder in den Vordergrund, die Schrauberabende werden täglich länger, und schliesslich stellt sich auch noch das "Transportproblem". Wohin mit dem Manschaftszelt, dem Bier, all den kleinen Feiglingen, den Sparerips ?


Ein Mofa als Gespann ?
Geht sowas überhaupt und reicht die Zeit noch dazu?
Es muss !

Zuerst nur ein flüchtiger Gedanke, und dann in aller Eile umgesetzt ...

... und Dienstag früh stehen wir da, zu viert, bereit, die beschwerliche Reise anzutreten.
Zu einer Probefahrt hat's leider nicht mehr gereicht, daher wird mir jetzt erst, nach den ersten 5 Kilometern mit einer Höchstgeschwindigkeit von 32.5 km/h klar, dass wir die Strecke an einem Tag niemals schaffen können. Nach weiteren gefühlten 200 Kilometern (kurz hinter Lauingen) fängt irgend etwas an fürchterlich zu kreischen: der Tacho ist trockengelaufen, also ausgebaut und mit dem guten 2-Taktöl geschmiert, weiter geht's, doch die Zündapp will nicht mehr anlaufen.
Die Kumpels helfen schieben, und wie zum Trotz fliegt auch noch die Kette runter.
Einen Zündkerzenwechsel später sind wir wieder auf Achse. Kurz vor Wertheim stellt sich die daheim am PC geplante Route als unpassierbar heraus, die Kette ist schon wieder runter, in dem Tempo werden wir 3 Tage brauchen ...
Tankstop in Schrobenhausen, der Spritverbrauch ist erfreulich niedrig, es ist halb Viere, die letzten zurückliegenden Steigungen sind Axl und Harry im Schneckentempo hochgestrampelt. Gerald's Bergsteiger zeigt Qualitäten. Nördlich von München wird es saukalt und dämmerig, die Beleuchtung ist miserabel, wir suchen eine Pension und geniessen beim Huberwirt in Nörtingen ein Bier.

Mittwoch, am nächsten Tag:
Pünklich um 9 schnurren die Ponies wieder über die Radwege, Axl hofft nach einem Düsenwechsel auf mehr Durchzug, vergeblich. Wir schleichen das Vilstal hoch, die Sonne lacht uns aus, Gerald fehlt. Wir warten, nach einiger Zeit taucht er auf, Sprit war alle.
Die letzte Etappe geht es stetig bergauf, die Herkulespiloten schwitzen, 15% Steigung von Zenting ab werden uns fast zum Verhängnis. Als einzigste bewältigt meine mit 3 Gängen verwöhnte Zündapp diesen höllischen Anstieg, und so ziehe ich Gerald- und Harry's Hänger nacheinander hoch, Axl schiebt und schwitzt.

Wir erreichen das gelobte Land in Loh am späten Nachmittag, das Volk staunt, wir sind die Stars!

Zwei Tage Wellness im bayerischen Wald, dann heisst es wieder aufsatteln.

Die 2 Tagesheimreise verläuft etwas entspannter, wir erreichen Brenz am Sonntag Mittag um 15 Uhr.

NIE WIEDER machen wir so einen Scheiß !!! PI